Das Kapital - conflicts & conclusions /CDArt.-Nr. DK 002
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I N F O Von Ostberlin nach Hollywood. So in etwa könnte man die Reise beschreiben, auf die Das Kapital uns auf seiner zweiten CD „Conflicts & Conclusions“ mitnimmt. Dieser Trip beginnt mit „Auferstanden Aus Ruinen“, der lange geschmähten Nationalhymne der DDR, die Hanns Eisler so dreist wie genial von dem Schlager „Goodbye Johnny“ geklaut hat, und endet mit „Hollywood Elegy Coda“. Dazwischen gibt es jede Menge Anarchie und Alltag. Doch der Reihe nach. Es ist gerade ein Jahr her, dass Das Kapital – Saxofonist Daniel Erdmann, Gitarrist Hasse Poulsen und Drummer Edward Perraud – mit seinem Debütalbum „Ballades And Barricades“ den europäischen Jazz zu jenem Gemisch aus Leidenschaft und Renitenz zurückgeführt hat, das ihm in den späten sechziger und frühen siebziger Jahren einmal eigen war und in jüngerer Zeit abhandenkam. Da ging es nicht um schön gespielte Plattitüden, sondern um Betroffenheit, Wut, Fassungslosigkeit und jede Menge unverstellter Emotionalität. Das Kapital übersetzte die Musik des deutschen Komponisten Hanns Eisler in eine Sprache des 21. Jahrhunderts. Eisler war ein streitbarer Geist, der keine eindimensionale Zuordnung zuließ und stets einen ungeraden Mittelweg zwischen Assimilation und Auflehnung suchte. Auch Erdmann, Poulsen und Perraud ging es nicht um einfache Antworten auf die brisanten Fragen der Zeit, sondern darum, auf ihren Instrumenten auszusprechen, was sich lange niemand mehr zu sagen getraut hatte. Wo die drei Musiker auch hinkamen, sie überzeugten und rissen mit. Nun kommt die zweite Platte dieses deutsch-dänisch-französischen Trios. Wieder geht es um Eisler. Und erneut lehnen sie sich weit aus dem Fenster. Zum Beispiel, wenn sie mit „Auferstanden Aus Ruinen“ die Nationalhymne der DDR spielen. Ist das etwa ein Bekenntnis zum Stalinismus? Im Gegenteil. Sie reißen den ideologischen Hardlinern ein wunderschönes Stück Musik aus den Klauen und stellen es wieder dem musikalischen Diskurs zur Verfügung. Auf diesem Weg provozieren sie auch die Frage, warum die DDR-Führung den Text des Liedes irgendwann abschaffte und nur noch die Melodie spielen ließ. 22 Jahre nach Mauerfall leisten sie einen elementaren Beitrag zur deutschen und europäischen Einigung. Ihre Version dieses Stückes ist unbefangen, aber alles andere als naiv. […] Daniel Erdmann, Hasse Poulsen und Edward Perraud erweisen sich einmal mehr als drei unverbesserliche Idealisten, die sich nicht mit der globalisierten Uniformität des kleinbürgerlichen Jazz-Empfindens ihrer Umgebung abfinden wollen. Das ist keine Musik für Frühschoppen, Cocktail-Partys, Parfümwerbung oder Firmenfeiern. Das ist der Soundtrack zu Atomausstieg, Eisenbahner-Streik und Hörsaalbesetzung, aber auch zur überfüllten U-Bahn und dem Computer-Absturz. Und wer das nicht glaubt, der höre nur die Power-Hymne „Friedenslied“ im Wiederholungsmodus.
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