Christian Lillinger f. Joachim Kühn - first reason /CDArt.-Nr. CF-CD 142
Christian Lillinger (d), Joachim Kühn (p), Jonas Westergaard (b), Robert Landfermann (b), Tobias Delius (reeds), Wanja Slavin (reeds)
"Improvisierende Musiker sollten einen Grund haben, bevor sie zu spielen anfangen. Einen guten Grund - wie etwa dringende Klänge, die rausmüssen - und gleichzeitig auch eine gute Grundierung, wie sie in der Berliner Szene der Schlagzeuger Christian Lillinger für zahlreiche Besetzungen vorhält. Er ist bei Hyperactive Kid dabei, im Rolf Kühn Tri-O, bei Frank Gratkowski, John Schröder, Joachim Kühn, er spielt im Duo mit Günter Baby Sommer und mit vielen mehr. Von den 1003 Freunden auf seiner Myspace-Seite dürften die meisten ihn tatsächlich persönlich kennen. Jetzt erscheint mit First Reason Lillingers Debüt als Bandleader. Nach dieser Einführung darf man durchaus Grundsätzliches erwarten - und wird nicht enttäuscht. Der komponierende Schlagzeuger Lillinger hat sich zum Doppel-Trio-Quartett vervielfältigt. Zwei Bässe, zwei Saxofonisten und im Zentrum das Schlagzeug das er nicht nur als treibendes Rhythmusinstrument sieht, sondern als Quelle filigraner Klangatmosphäre. Eine zertretene Plastikwasserflasche gibt unter seinen Füßen nicht Störgeräusche von sich, sondern ein höchst päzises Knistern. Wenn er in - Die Enge - jeweils gleiche Paare von Klarinetten und Bässen in minimalen Tonschritten sich umkreisen lässt, dann entfaltet der konzentrierte Drone-Charakter des Stücks eine Intensität, die wirklich zum Fundament, zum Grund eben taugt. Man kann diese Stücke (auch - Feldarbeit - ist in diesem Sinne Grundlagenforschung) als bewegte Klangblöcke hören - als solche werden ohnehin oft Beiträge des Schlagzeugs wahrgenommen, weil da eben die harmonisch-melodische Ebene fehlt. Da ist dann ein anderes, genaueres Hören gefordert: auf Klangfarben, auf feine Details, die in der präsenten Studioaufnahme so überraschend entdeckt werden können wie im Clubkonzert. Den roten Faden durch das Album ziehen die drei - Grund - betitelten Stücke, das erste davon gerät über einen funkigen Kontrabass schließlich in einen abstrakten Groove, das dritte zieht alle Noise-Register bis hin zum Spielzeugtelefon. Dazwischen - Grund II - mit Erweiterung der Band um das Klavier von Joachim Kühn (der noch auf zwei weiteren Stücken mit dabei ist): eine freie, aufmerksame Improvisation der sechs - hervorragenden - Musiker. Gleich anschließend führt - Shape - mit seinem Ornette-Coleman-artigen Thema zur größtmöglichen Form zurück. Free Jazz mit Betonung auf Jazz. Joachim Kühn lernte Christian Lillinger übrigens bei einer Session auf Ibiza kennen, bestärkte ihn, endlich mal die eingenen Sachen aufzunehmen, und stellte schließlich auch den Kontakt zum portugiesischen Label clean feed her. Man darf ihn durchaus als Lillingers Mentor und Fan verstehen. Seine Begeisterung, der er im Booklet Ausdruck verleiht, ist echt - und sie hat einen Grund." (JazzThetik)
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