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Mop de Kop (Daniel Prätzlich, Oliver Maas) - terror /CD

Art.-Nr. CD 3066

 
 
CD-Tracks/Probehören.
Das deutsche Jazz-Duo Mop de Kop mit dem Album „Terror“

Was haben eine Bienenwabe und Musik miteinander zu tun? Beide sind sie organisch funktionierende Lebensräume und Netzwerke, aus denen ständig Neues entsteht. Dass es dabei aber manchmal dann auch zu überraschenden Mutationen kommen kann, beweist die CD „Terror“ des Duos Mop de Kop akustisch und gleichermaßen optisch. In den Zeichnungen, mit denen der in Saarbrücken lebende, türkischstämmige Filmemacher und Bildende Künstler Mert Akbal das Booklet gestaltet hat, sind schließlich aus den Waben nicht nur Bienen, sondern auch surreale Comic-Gestalten und merkwürdige Fabelwesen geschlüpft. Als ob die Natur mal Lust gehabt hat, so mit der DNA der Insekten zu experimentieren, wie es Pianist Oliver Maas und Schlagzeuger Daniel Prätzlich jetzt mit dem musikalischen Gen-Satz getan haben. Denn aus ihrer Neugier an der Interaktion und der Improvisation ist nicht etwa ein Album entstanden, das man eben so mal in eine feste Stil-Schublade packen könnte. Mit dem gemeinsamen Gespür für groovende Power, raffinierte Klangerfindungen und subversive Schwingungen bewegen sich die beiden Saarbrücker Musiker vielmehr in bislang unerhörten Grenzbereichen, die von Ferne irgendwo zwischen Jazz und Rock liegen. Seit 2004 macht das nun bereits. In der eben nicht alltäglichen Duo-Besetzung mit Tasten- und Schlaginstrumenten. Und alles unter dem knackigen Bandnamen „Mop de Kop“. Mop de Kop? Dahinter verbirgt sich aber nicht etwa eine regionaltypische Redewendung für „Jemanden vor den Kopf stoßen“. Oliver Maas und Daniel Prätzlich haben sich den Namen einfach ausgedacht. Überhaupt legen die beiden gerne falsche Fährten, um so die Phantasie des Hörers herauszufordern. Allzu wörtlich sollte man daher allein schon den Titel ihres Debüt-Albums „Terror“ nicht nehmen. Und die einzelnen Bezeichnungen der insgesamt 15 Stücke sind keine Hör-Anweisungen im strengen Sinne, sondern lassen ausreichend Platz für Assoziationen. Von solchen Freiräumen lebt die Musik von Mop de Kop. Obwohl die Stücke genau durchgeplant sind, ist das Sound-System von Mop de Kop zu allen Seiten hin offen. Da schlängelt sich gleich im Eröffnungsstück „Begegnung I“ und in die arabeske Schönheit ein soghafter Rhythmus hinein. Während in „Free I“ Jazz und Rock in einen heftigen, energiereichen Strudel geraten. Und prompt ist man mittendrin. In einem Klanggelände, dessen Boden sich in ständiger Bewegung und Veränderung befindet. „Die Pfeife“ zeigt sich als eine quirlig-humoristische Miniatur. Und bevor es im Titelstück auch zu heftigen Noise-Einschlägen kommen wird, lebt „Le rideau sans couleur fixe (hallo edmund)“ von seinem unberechenbaren Stopp-and-Go-Drive. Hier wie überhaupt auf „Terror“ sorgen Oliver Maas und Daniel Prätzlich für ein akustisches Spiegelkabinett, in dem lyrische Entspanntheit, wild zersprengte Formen, kontrolliert verfremdete Klänge und rockige Turbulenzen zu erleben sind. Wobei sich Oliver Maas dafür immer wieder auch an das Fender Rhodes-Piano setzt, um mit dem tausendarmig und virtuos zupackenden Daniel Prätzlich die hypnotische Fusion-Flamme neu und heiß zu entfachen („Agrimat“). Angesichts ihres Temperaments, Formgefühls und der nötigen Risikobereitschaft ist es daher auch kein Wunder, dass sich Oliver Maas und Daniel Prätzlich als reaktionsschnell agierende Action Player längst im zeitgenössischen Jazz-Betrieb Deutschlands etabliert haben. So bekam Mop de Kop 2007 den St. Ingberter Jazzpreis verliehen, folgten Einladungen u.a. zum Jazz-Festival in Würzburg. Mop de Kop ist andererseits aber nur ein Standbein von den beiden, noch nicht mal dreißig Jahre alten Musikern. Mass, der heute in Essen lebt, hat mit der Gruppe Oma Heinz und dem Jörg Brinkmann Trio 2006 und 2007 den jazzwerkruhr-Preis gewonnen. Und wenn er nicht gerade mit dem eigenen Invisible Change-Trio auf Tour ist, mischt er auch in Prätzlichs „Bardenzimmer-Quartett“ mit. Der Wahl-Würzburger Prätzlich hat u.a. mit dem Undertone Project und dem Christof Thewes Quintett CD-Produktionen eingespielt. Zudem leitet Prätzlich noch das Quartett „Ambrosius V. U“, welches aus Kontrabass, Schlagzeug, Saxophon & DJ besteht. Auch von diesen unterschiedlichen Projekten bringen so Maas und Prätzlich neue Eindrücke mit, die man dann mit der ganz eigenen Mop de Kop-Phantasie weiterdenkt und mit ganzem Körpereinsatz umsetzt. Und von dieser Phantasie lebt „Terror“ hörbar und doppelt visuell. Denn neben dem Booklet von Mert Akbal gibt es noch ein weiteres Zusammenspiel zwischen Kunst und Musik. Es ist der auf dem Album gleichfalls verewigte, fünfminütige Animationsfilm „Terror“, für den Mert Akbal 2008 beim zeitgenössischen Video-Festival „Octobre Rouge“ im luxemburgischen Esch-sur-Alzette ausgezeichnet wurde. Aber Akbal hatte sich ja mit dem Stück „Begegnung I“ von Mop de Kop auch den idealen Soundtrack dazu ausgesucht.
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